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Mit Tipps von Primal Fear und Feuerschwanz

Zielsetzung in unsicheren Zeiten: Musiker und Bands brauchen einen Plan nach der Pandemie

Tipps für Musiker und Bands von Frank Wilkens
veröffentlicht am 22.05.2020

erfolgsfaktoren coronakrise

Zielsetzung in unsicheren Zeiten: Musiker und Bands brauchen einen Plan nach der Pandemie

Zeit, sich Gedanken zu machen und neue Ziele zu setzen. © cottonbro / Pexels

Was ist der entscheidende Faktor, wenn es um den Berühmtheitsgrad eines Künstlers oder einer Band geht? Warum ist diese oder jene Band angesagter als die andere Band? Ist es die Art, wie Songs geschrieben oder interpretiert werden? Ist es die optische Darstellung oder das Charisma, welches über Licht und Schatten entscheidet? Oder ist es einfach nur ein geschicktes Marketing? Ein wichtiger Punkt ist der Begriff "Zielsetzung".

Im Prinzip kann jeder selbst ein Ziel formulieren. Doch ganz so einfach ist es am Ende nicht. Wie muss die Zielsetzung aussehen, um eben „zur richtigen Zeit am richtigen Ort“ zu sein? Hier sollte sich jeder zunächst selbst hinterfragen. Die Zielsetzung einer Band kann nur so präzise sein wie die Zielsetzung eines jeden einzelnen Musikers. Die Faktoren Beruf, Familie, Freizeit, Musik müssen so in Einklang gebracht werden, dass man dann im Bandkollektiv wichtige Entscheidungen fällen kann.

Was zunächst selbstverständlich scheint, ist in der Praxis oft schwierig. Ein Bandmitglied studiert und hat somit vielleicht einen anderen zeitlichen und finanziellen Backround als ein anderes Bandmitglied mit Familie und Job im Schichtdienst. Da nützen die besten Zielsetzungen nichts, wenn es bereits bei der Zeitplanung eines jeden einzelnen Hürden gibt, die zunächst überwunden werden wollen.

Ordnung und Kontinuität in der Planung

Sinn und Zweck einer solchen Zielsetzung ist es, eine gewisse Ordnung und Kontinuität in die mittelfristige Planung zu bringen. Es ist dabei zunächst nicht lebenswichtig, sich in Details zu verlieren. Aber jeder, der eine Band gründet oder als Solokünstler/in startet, wird sich Gedanken machen, wo er oder sie nach einem gewissen Zeitraum stehen möchte. Diese Ziele sollten dann mit den zur Verfügung stehenden Mitteln (Zeit, Motivation und auch Geld) durchführbar sein. Nicht jeder, der einen Einstieg in das Musikbusiness startet, muss zwangsläufig ein BWL-Genie sein. Vielmehr ist es ratsam, sich in Bezug auf Zielvorgaben zum Beispiel am Alltag zu orientieren. Wie sieht ein strukturierter Alltag aus und was will ich am Abend geschafft haben?

Hilfreich ist auch, Zwischenziele zu setzen. Vor allem dann, wenn das angestrebte Ziel zum Startzeitpunkt noch relativ abstrakt wirken sollte, sind Etappenziele eine gute Wahl. Das ermöglicht dann auch die eine oder andere Korrektur.

Planung für die Zeit nach der Coronakrise

All diese Dinge können derzeit bei den aktuellen Einschränkungen im Zuge der Corona-Epidemie nicht oder nur bedingt umgesetzt werden. Dennoch ist es gerade jetzt wichtig, einen Plan für die Zeit „danach“ zu entwickeln.

Die oben genannten Faktoren Zeit, Motivation und Geld müssen nun anders gewichtet werden.

Zeit ist ein Faktor, den man derzeit wohl schwer exakt kalkulieren kann. Doch irgendwann wird (hoffentlich) auch der Kulturbetrieb wieder Fahrt in die Normalität aufnehmen. Dann wäre es wichtig, gewisse chronologische Abfolgen der angestrebten Maßnahmen (wie zum Beispiel Tonträgerveröffentlichungen) parat zu haben, um rechtzeitig zu Beginn der neuen Zeit selbige nicht zu verlieren.

Ein nicht zu unterschätzender Faktor ist zweifelsohne die Motivation. Damit die Lust am musikalischen Projekt nicht verloren geht, ist es wichtig, die Zeit für kreative Arbeit zu nutzen. Das Thema Geld und Investition in die Musik wird entscheidend davon beeinflusst, wie sich die Wirtschaft erholt und welches Budget für die notwendigen Schritte der Zielsetzung zur Verfügung steht.

Und jetzt? Üben, schreiben und präsent sein!

In einem Gespräch zu diesen Themen konnte der deutsche Heavy Metal Sänger Ralf Scheepers (Primal Fear) empfehlen, die Zeit zum intensiven Üben zu nutzen. Auch nach über 30 Jahren im Business und aktuell gerade mit einer sehr erfolgreichen Band (letztes Album #10 in den Charts) hält er stetiges Üben für das Nonplusultra. Gerade in dieser Zeit dürfe man sich gern auf sich selbst besinnen und nach vorn schauen.

Hauptmann Feuerschwanz von der mittlerweile ebenfalls sehr erfolgreichen Band Feuerschwanz (letztes Album #5 in den Charts, das neue Album erscheint im Juni) empfiehlt, die aktuell schwierige Lage mit starker Präsenz in den sozialen Netzwerken zu überbrücken. Auch oder gerade, weil eine temporäre Zielsetzung angesichts der Corona-Pandemie schwer möglich ist, dürfe man den Anschluss nicht verpassen und müsse im Dialog mit dem Zielpublikum bleiben. Ebenso sei gerade jetzt die Zeit da, um der Kreativität freien Lauf zu lassen und sie beispielsweise das Songwriting zu nutzen.

Kopf aus dem Sand ziehen

Eine konstruktive Zielsetzung für das Projekt „Karriere“ ist definitiv notwendig. Dabei ist eben zu beachten, dass man verschiedene Faktoren mit einbeziehen muss. Dazu zählen neben den zur Verfügung stehenden finanziellen Mitteln u.a. die zeitliche Verfügbarkeit in den nächsten Jahren, die Marktanalyse in dem angestrebten Genre sowie die Kontinuität in Sachen musikalische Ausrichtung und der damit einhergehenden Fanbindung.

Das klingt im Zuge der aktuellen Pandemie und der Ungewissheit für die Zeit danach zwar abstrakter denn je, jetzt Aufgeben und den Kopf in den Sand stecken ist aber zweifellos die schlechtere Alternative.

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