×

Warehouse-Party für die Wissenschaft

Test-Rave in Großbritannien: Mit Test, ohne Social Distancing

News von Backstage PRO
veröffentlicht am 04.05.2021

coronakrise großbritannien

Test-Rave in Großbritannien: Mit Test, ohne Social Distancing

© Antoine Julien via Unsplash

In Großbritannien ist bereits ein großer Teil der Bevölkerung gegen das Coronavirus geimpft; langsam kehrt hier die Normalität zurück. Mit einer Testveranstaltung soll nun geprüft werden, ob (und wie) auch das Nachtleben bald wieder öffnen könnte.

Am 30. April und 1. Mai 2021 fand in einem Liverpooler Warehouse ein Club-Event mit rund 3000 Besucherinnen und Besuchern statt – ohne Maske und Abstand.

Das Experiment sollte zeigen, ob eine Wiedereröffnung der Clubszene und des Nachtlebens sowie die Durchführung von Großveranstaltungen bzw. Konzerten und Festivals in Zukunft auch ohne erhöhtes Gesundheitsrisiko möglich ist.

Ende der Pandemie in UK im Juni möglich?

Seit Pandemiebeginn mussten Clubs in Großbritannien geschlossen bleiben, während Theater und Museen unter Hygienekonzepten bei sinkenden Fallzahlen wieder öffnen durften. Wer sich in den vergangenen Monaten nach Tanzen und Feiern sehnte, konnte das nur auf illegalen Raves tun– die wiederum die Infektionszahlen in die Höhe schießen ließen.

Nachdem die Impfkampagne in UK nun aber so weit vorangeschritten ist, dass ein Großteil der Bevölkerung bereits geimpft ist, versprach Premierminister Boris Johnson im Februar, alle Beschränkungen zum 21. Juni  aufzuheben – dies soll auch die Öffnung der Clubs beinhalten.

Die in Liverpool durchgeführten Versuchs-Events sollen dafür notwendige Erkenntnisse erbringen und stellen die ersten dieser "Trial-Events" dar. Sie sollen die Umsetzung einer Öffnung in der Praxis demonstrieren. Weitere Veranstaltungen der Versuchsreihe sind zudem ein Pop-Konzert vor rund 5000 Besuchern in einem Zirkuszelt und eine Business-Konferenz.

Neuinfektionen durch Versuchsveranstaltungen auszuschließen

Kritiker/innen bezeichneten die Versuchsreihe als "Menschliches Versuchskanninchen-Experiment", doch laut Iain Buchan, Wissenschaftler der University of Liverpool und Leiter der Versuchsreihe, seien die Fallzahlen in Großbritannien so niedrig, dass ein sprunghafter Anstieg an Infektionen durch die Veranstaltungen auszuschließen sei.

Mit 69 Neuinfizierten in Liverpool in der Woche vor dem Versuchsevent läge das Risiko eines Corona-positiven Besuchers bei 1:5000.

Negatives Testergebnis an Ticket gebunden

Um an der Party in der Liverpooler Lagerhalle teilnehmen zu können, mussten sich Besucher einem Antigen-Schnelltest in einem der vier Testzentren im Stadtgebiet unterziehen. Das tagesaktuelle, negative Testergebnis wurde auf einer eigens dafür angelegten Website hochgeladen, mit einem digitalen Ticket verknüpft und am Einlass nochmals überprüft.

Fünf Tage nach der Veranstaltung sollen Besucher sich ein zweites Mal testen lassen und die Ergebnisse den Veranstaltern übermitteln.

Keine Hygieneregeln

Hygieneregeln gab es auf der Veranstaltung keine. Besucher mussten weder eine Maske tragen noch Abstand halten. Wie eine Besucherin berichtet, war es ihr sogar verboten, Desinfektionsmittel mitzunehmen, um den Schmuggel von Alkohol und verbotenen Substanzen zu verhindern.

Das Team um Iain Buchan hatte sich bei der Organisation recht schnell gegen ein Hygienekonzept entschieden. Ähnliche Veranstaltungen in den Niederlanden anfang März hätten gezeigt, dass Besucher sich sowieso nicht an dieses halten würden.

Viel mehr ging es Buchan darum, zu untersuchen, welche Maßnahmen von Gästen akzeptiert werden und damit realistisch umsetzbar sind, um Clubs wieder zu eröffnen. Ein im Vorfeld durchgeführter negativer Test, der mit dem Ticket verknüpft wird um überhaupt Zugang zur Veranstaltung zu erhalten sowie Sensoren zur Überprüfung der Luftzirkulation und Belüftung erwiesen sich dabei als am effektivsten.

Veranstalter und Besucher zufrieden – Betreiber/innen skeptisch

Nicht nur Buchan und sein Team sind mit dem Verlauf der Versuchsveranstaltungen zufrieden, auch Besucher und DJs und Artists wirkten sichtlich glücklich. "Es hat sich angefühlt, als hätte es Corona niemals gegeben", so einer der Partygänger. Es sei seltsam, aber erleichternd gewesen, keine Maske mehr tragen zu müssen.

Generell hätte der Wunsch nach Normalität etwaige Zweifel der Besucher überwogen.

Viele Clubbetreiber fordern allerdings mehr Versuchs-Durchläufe. Beispielsweise sei die Luftzirkulation in einem kleinen Club anders als in einer Lagerhalle wie in Liverpool. Schließlich sind Aerosole nachweislich für zahlreiche Neuansteckungen verantwortlich.

Partys für Juni bereits ausverkauft

Dennoch planen einige der über 1400 Clubs in Großbritannien ab Ende Juni bereits Reopening-Partys, von denen eine Vielzahl bereits ausverkauft ist.

Sollte Premierminister Boris Johnson Versprechen halten und ab 21. Juni Clubs wieder eröffnen können, wäre UK Vorreiter und damit das einzige europäische Land, in dem Menschen wieder feiern gehen können.

Auch interessant

Ähnliche Themen

Kulturorganisationen in Großbritannien fordern Plan für EU-Tourneen nach Brexit

Kritik an Premierminister Boris Johnson

Kulturorganisationen in Großbritannien fordern Plan für EU-Tourneen nach Brexit

veröffentlicht am 06.05.2021

Einbußen im Außendienst: GEMA-Bilanz 2020 zeigt Auswirkungen von Corona

Schwierige Zeiten

Einbußen im Außendienst: GEMA-Bilanz 2020 zeigt Auswirkungen von Corona

veröffentlicht am 05.05.2021   1

Keine Events über Ostern: Vorzeitiges Aus für das Berliner Pilotprojekt Testing?

Weiterer Verlauf ungewiss

Keine Events über Ostern: Vorzeitiges Aus für das Berliner Pilotprojekt Testing?

veröffentlicht am 31.03.2021   1

Schnelltest für Konzertbesucher: Berlin startet Pilotprojekt für Veranstaltungen während Corona

Testlauf zur Wiedereröffnung

Schnelltest für Konzertbesucher: Berlin startet Pilotprojekt für Veranstaltungen während Corona

veröffentlicht am 12.03.2021   17

Newsletter

Abonniere den Backstage PRO-Newsletter und bleibe zu diesem und anderen Themen auf dem Laufenden!