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Wie die Folgen der Pandemie abgemildert werden

Interview mit GEMA-Vorstand Georg Oeller zur Coronakrise: "Wir haben Solidarität praktiziert"

Interview von Daniel Nagel
veröffentlicht am 09.10.2020

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Interview mit GEMA-Vorstand Georg Oeller zur Coronakrise: "Wir haben Solidarität praktiziert"

Georg Oeller ist seit 2009 Mitglied im Vorstand der GEMA. © Sebastian Linder

Georg Oeller ist seit 2009 Vorstandsmitglied der GEMA. Wir sprachen mit ihm über Hilfsprogramme der GEMA in der Coronakrise, die Umsetzung der Urheberrechtsrichtlinie und die Notwendigkeit fortgesetzter Unterstützung für den Kultursektor.

Backstage PRO: Herr Oeller, das Jahr 2020 wird für viele Branchen als Krisenjahr in die Geschichtsbücher eingehen. Wie haben Sie die Entwicklung der Coronakrise bei der GEMA wahrgenommen?

Georg Oeller: Wir sind mit großem Optimismus in das Geschäftsjahr 2020 gestartet, bis uns die dramatischen Entwicklungen im Verlauf des ersten Quartals eingeholt haben. Wir haben glücklicherweise früh bemerkt, dass etwas Großes auf uns zukommt und konnten daher als Unternehmen schnell reagieren. Innerhalb von zwei bis drei Wochen befanden sich alle Mitarbeiter im Home Office. Aus der Sicht der Mitglieder aber hätte ich niemals damit gerechnet, dass ganze Märkte wegbrechen. Diese Dramatik habe ich nicht vorhergesehen.

"Die Veranstaltungsbranche befindet sich immer noch auf einem sehr niedrigen Niveau"

Backstage PRO: Wie beurteilen Sie die aktuelle Lage der Veranstaltungsbranche im Hinblick auf die vorsichtigen Versuche eines Neuanfangs? 

Georg Oeller: Der Rückblick auf August und September lässt erkennen, dass sich in der Veranstaltungsbranche ein bisschen etwas bewegt, aber noch auf sehr niedrigem Niveau. Wirtschaftlich betrachtet befindet sich der Veranstaltungsmarkt noch immer am Boden. Normalerweise haben wir im August 45.000 Veranstaltungsmeldungen in Deutschland, in diesem August gab es aber 7.000. Die langsamen Versuche pandemiegerechte Konzerte zu veranstalten, bedeuten nicht, dass der Veranstaltungsmarkt wieder angesprungen ist. Davon sind wir noch meilenweit entfernt. Es ist wirklich eine sehr schwierige Situation.

Backstage PRO: Durch den Schutzschirm LIVE der GEMA konnten Komponisten und Textdichter, die auch selbst performen, einen Vorschuss auf künftige Ausschüttungen erhalten und zwar bis zu 30.000 Euro. Können Sie sagen, welche Erfahrungen sie mit diesem Programm gemacht haben und wie viel Geld bereits an Betroffene ausgezahlt wurde?

Georg Oeller: Die Mitgliedschaft bei der GEMA ist sehr breit gefächert. Viele Mitglieder leben eher von der Aufführung der Musik als von Textdichtung oder Komposition. Der ganze Bereich der Aufführung ist aber bis heute weitgehend weggefallen. Daher haben wir uns für drei Maßnahmen entschieden: Auf der einen Seite haben wir den Schutzschirm LIVE ins Leben gerufen, der es Mitgliedern ermöglicht, Vorauszahlungen zukünftiger Ausschüttungen zu erhalten. Der Schutzschirm LIVE soll unseren Mitgliedern helfen, ihre gegenwärtige finanzielle Krise zu überwinden, da die Rücklagen der meisten sehr gering oder gar nicht vorhanden sind. Bisher haben 1.400 Mitglieder den Schutzschirm in Anspruch genommen, aber er läuft noch weiter. Die Vorauszahlungen werden wir übrigens nicht schon nächstes Jahr zurückverlangen, sondern erst 2022. 

Backstage PRO: Warum? 

Georg Oeller: Die Krise wird 2021 nicht vorbei sein. Das nächste Jahr wird für diejenigen Mitglieder schwierig, die Texte schreiben und komponieren, ohne sie selbst aufzuführen. Durch die Ausschüttungen in diesem Jahr sind sie 2020 gut weggekommen aber 2021 wird das nicht mehr so sein - und damit kommt nochmal ein anderes Problemfeld dazu. Wenn der Veranstaltungsmarkt nächstes Jahr nicht wieder anspringt, haben wir neben denen, die jetzt schon Probleme haben, auch zusätzlich noch die, die wir in diesem Jahr mit den regulären Ausschüttungen aus dem sehr guten Geschäftsjahr 2019 noch gut abfedern konnten. Diese werden nächstes Jahr eine schwierige wirtschaftliche Situation vorfinden.

"Mit der Schaffung eines Nothilfefonds haben wir Solidarität praktiziert"

Backstage PRO: Welche weiteren Maßnahmen haben sie ergriffen?

Georg Oeller: Die GEMA hat einen Nothilfefonds in Höhe von 5 Millionen Euro aufgelegt, aus dem die Mitglieder Hilfen beantragen konnten, die nicht zurückgezahlt werden müssen. Das war ein ganz wichtiges Instrument, da die Hilfen schnell und sehr unbürokratisch ausgezahlt wurden und außerdem deutlich wurde, wo die Probleme liegen. Die dritte Maßnahme betraf die Kunden. Während des Lockdowns haben wir das Lizenzgeschäft vorläufig eingestellt, denn wo keine Musik genutzt wird, können wir auch keine Lizensierungen vornehmen. Insofern haben wir versucht, allen Seiten ein Signal der Unterstützung zu geben. 

Backstage PRO: Die Zahlungen aus dem Nothilfefonds betrugen bis zu 5.000 Euro für besonders von der Pandemie betroffene Musikschaffende. Wie war die Resonanz? 

Georg Oeller: Insgesamt haben rund 2.500 Mitglieder diese Nothilfe in Anspruch genommen, was uns die Bedürftigkeit unserer Mitglieder sehr deutlich vor Augen geführt hat. Viele Mitglieder können von den Einkünften als Komponisten und Textdichter alleine nicht leben und haben noch andere Jobs, um ihre Miete zu zahlen. Diese Mitglieder sind auf die GEMA-Einkünfte angewiesen, das ist ein Baustein in ihrem Leben, mit dem sie fest rechnen, und wir konnten ihnen tatsächlich helfen. Wir sind ein wirtschaftlicher Verein, aber auch ein solidarischer. Dass wir in der Lage waren, 5 Millionen Euro aus eigenen Geldern zur Verfügung zu stellen, war eine starke, kollektive Leistung. Häufig wird über Solidarität nur geredet und hier wurde sie tatsächlich praktiziert. Die GEMA-Mitglieder können stolz darauf sein, Teil einer solchen Community zu sein.

Backstage PRO: Woher kamen die 5 Millionen Euro genau?

Georg Oeller: Neben der Ausschüttung gibt es bei der GEMA noch eine sozial-kulturelle Förderung, die sog. Wertung. Diese haben wir 2020 um 5 Millionen Euro reduziert und in den Hilfsfonds überführt. Die Gemeinschaft trägt das komplett. 

Backstage PRO: Wie lief es in Hinblick auf die Ausschüttungen?

Georg Oeller: Wir sind sehr stolz darauf, dass es uns gelungen ist, alle Ausschüttungen aus dem Geschäftsjahr 2019 planmäßig durchzuführen. Am 1. Juni erfolgte die Ausschüttung für Live- und E-Musik und am 1. Juli die Ausschüttung für den ganzen Rundfunkbereich. Im Live- und E-Musik-Bereich steht noch die Hauptausschüttung am 1. November bevor. Die Auszahlungen auf Basis des sehr guten Geschäftsjahres 2019 wird unseren Mitgliedern sehr helfen, sicherlich auch in Hinblick auf das nächste Jahr.

"Die Ausschüttungen für Konzerte in 2021 werden minimal sein"

Backstage PRO: Wie werden die Auszahlungen nächstes Jahr im Live-Bereich aussehen, wenn 2020 nur ein Bruchteil der üblichen Konzerte stattfanden?

Georg Oeller: Wir erwarten nächstes Jahr eigentlich eine noch schwierigere Situation als dieses Jahr. Normalerweise lizenziert die GEMA im Jahr 220.000 Konzerte, 2020 wird die Zahl im besten Fall 20.-30.000 betragen, also nur 10% der üblichen Lizenzierungen. Die Einnahmen der Konzerte im Januar und Februar werden wir noch in üblicher Höhe ausschütten können, aber für die Monate danach, werden die Ausschüttungen minimal sein. 

Backstage PRO: Wie sieht es mit den anderen Sparten jenseits der Konzerte aus?

Georg Oeller: Wir verfügen über Einnahmen im Bereich der öffentlichen Wiedergabe, z. B. in der Gastronomie oder in Hinblick auf Hintergrundmusik in Läden oder aus dem Bereich Rundfunk und Fernsehen. Diese Einnahmen werden wir auch verteilen können, aber nicht auf einem Niveau wie in den vorherigen Jahren. Der öffentlich-rechtliche Rundfunk ist wohl einigermaßen stabil, nicht aber der Bereich des privaten Rundfunks, der unter dem Einbruch der Werbeeinnahmen leidet. Außerdem verzeichnen wir einen starken Rückgang im Bereich Tonträger, wobei wir noch auf das Weihnachtsgeschäft hoffen. Wir verzeichnen einen erfreulichen Zuwachs im Online-Bereich, aber der kann mitnichten die Einbrüche in anderen Sparten kompensieren.

"Wir hoffen auf die schnelle Umsetzung der Urheberrechtsreform"

Backstage PRO: Wie wichtig wird die Umsetzung der EU-Urheberrechtsrichtlinie sein, um Musikschaffenden die Möglichkeit zu geben, durch den Online-Bereich Geld zu verdienen?

Georg Oeller: Die wird sehr entscheidend sein. Konzerte und alles andere verlagert sich ins Internet und die Frage der Lizenz-Schuldnerschaft der großen Online-Plattformen muss dringend hinreichend geklärt werden. Aktuell erhalten unsere Mitglieder wegen der Coronakrise kein Geld und sie dürfen nicht ein zweites Mal kein Geld erhalten, weil sich niemand verpflichtet fühlt, für die Nutzung von Musik im Internet zu zahlen. Wir hoffen, dass wir rechtzeitig vor der nächsten Bundestagswahl eine vernünftige Grundlage haben, so dass die Richtlinie in Deutschland fristgerecht umgesetzt werden kann. Für die Mitglieder wird das essentiell sein, die GEMA ist ja schließlich für die Mitglieder da und kein Selbstzweck.

Backstage PRO: Wie beurteilen Sie den Diskussionsentwurf der Bundesregierung zur Reform des Urheberrechts?

Georg Oeller: Wir sehen viele positive Aspekte in dem Diskussionsentwurf, aber bei zentralen Punkten auch noch Nachbesserungsbedarf. Für uns ist bei der Umsetzung vor allem wichtig, dass wir Klarheit erhalten, wer welche Rechte und Pflichten hat und wer was wann bezahlen muss. Die Politik muss nachschärfen, um jahrelange gerichtliche Auseinandersetzungen zu verhindern und uns zu erlauben, unser Geschäft im Sinne der Mitglieder weiterzuführen. Wir dürfen nicht noch einmal 10 Jahre verlieren. Am Ende darf aber auch kein kümmerliches Gesetz herauskommen, das völlig substanzlos ist. Wir bemerken, dass auch die anderen Beteiligten sehr konstruktiv sind und deshalb hoffen wir auf die baldige Umsetzung des Entwurfs.

Backstage PRO: Es geht aus ihrer Sicht also darum, den Entwurf möglichst noch vor der Bundestagswahl 2021 umsetzen, notfalls so wie er jetzt ist.

Georg Oeller: Ja, aber ein paar Nachschärfungen müssen vorgenommen werden. Die GEMA benötigt ein zeitgemäßes Instrument, um kollektive Rechtewahrnehmung zu verwirklichen und die Einnahmen an unsere Mitglieder praktikabel auszuschütten. Die Coronakrise zeigt ja sehr deutlich, dass die Digitalisierung auch eine intensive Musiknutzung beinhaltet und in diesem Bereich wollen wir angemessen partizipieren. Wenn Corona einen positiven Effekt hat, dann vielleicht die Erkenntnis, wie wichtig Musik für das allgemeine Lebensgefühl ist und wie wichtig es ist, dass es Alternativen wie Live-Streams gibt, wie Musik zu den Menschen kommt. Die Musikschaffenden müssen von diesen Alternativen leben können. Sie sollten nicht darauf warten müssen, dass das normale Geschäft mit Konzerten wieder anfängt und sie erst dann wieder Geld verdienen können.

"Die GEMA ist auch eine solidarische Gemeinschaft"

Backstage PRO: Es gab Kritik daran, dass Künstler bei Streaming Konzerten-GEMA Gebühren zahlen müssen – auch in der Krise. Warum ist das so?

Georg Oeller: In dieser Zeit gab es natürlich auch für uns viel Unsicherheit, wie wir damit umgehen sollen, wenn Kunden ihre Veranstaltungen digital stattfinden lassen, obwohl die meisten gar keine Online-Nutzung angemeldet hatten. Aber wir haben das trotzdem relativ schnell pragmatisch gelöst. Es gab nur eine kurze Unsicherheitsphase, in der schnell Vorwürfe im Raum standen, aber die konnten wir schnell beiseite räumen. Wir haben dann von unseren Kunden auch nur positives Feedback erhalten, dass wir so kulant und verständnisvoll auf deren schwierige Situation im Lockdown reagiert haben.

Backstage PRO: Die GEMA ist eine bei Musikern sehr umstrittene Institution, es gibt energische Verteidiger, aber auch Skeptiker. Glauben Sie dass die Krise das Bild der GEMA bei manchen verbessert hat?

Georg Oeller: Ich glaube, dass die Krise bei den Mitgliedern das Gefühl verstärkt hat, dass sie in der GEMA über einen Partner verfügen, der hilft und sie wieder auf die Beine stellen kann. Die GEMA ist eben nicht nur eine Inkasso-Organisation, sondern eine solidarische Gemeinschaft. Der in einer solchen Krise erkennbare Nutzen, Teil einer solchen Gemeinschaft zu sein, hat den Mitgliedern den Wert einer Mitgliedschaft nochmal verdeutlicht. Das sehen wir auch an steigenden Mitgliederzahlen.

"Alle Kunden schätzen unsere Professionalität"

Backstage PRO: Die GEMA ist ein wirtschaftlicher Verein aber auch ein wirtschaftliches Unternehmen. Dieser Gegensatz führt immer wieder zu Unzufriedenheit, insbesondere weil der Großteil der Mitglieder wenig zu sagen hat. Ist dieser Vorwurf aus ihrer Sicht berechtigt? 

Georg Oeller: Die GEMA ist aus guten Gründen ein wirtschaftlicher Verein und keine Aktiengesellschaft oder GmbH. Sie ist ein Verein, weil diese Rechtsform uns ermöglicht, Solidarität zu leben. Die GEMA ist aber auch eine Inkasso-Organisation. Man benötigt ein professionelles Unternehmen, um Ausschüttungen in Höhe von 900 Millionen Euro zu verteilen. Es wäre fahrlässig, das ohne die Strukturen eines normalen Wirtschaftsunternehmens zu machen. Das ist übrigens auch die Erwartung unserer Kunden, ungeachtet ob sie die GEMA lieben oder nicht. Alle Kunden schätzen unsere Professionalität, sie wissen, dass wir das Geld, das wir einnehmen, professionell verarbeiten.

Backstage PRO: Wie sieht es aber mit internen Differenzen unter den Mitgliedern aus?

Georg Oeller: Dass es bei manchen Themen unterschiedliche Meinungen gibt oder ein Mehrheitsverhältnis in die eine oder andere Richtung, ist vollkommen normal. Wir müssen uns deshalb ständig weiterentwickeln, was wir auch tun. Wenn ich auf meine 25 Jahre bei der GEMA zurückblicke, dann hat der Verteilungsplan von 1995 nicht mehr viel gemein mit dem von 2020. Manche Grundelemente sind sicherlich geblieben, aber es hat sich vieles in der Durchführung verändert, insbesondere in Hinblick auf die Transparenz. Dass es Verbesserungen gibt, wie wir unser Geschäft betreiben können, wissen wir und daran arbeiten wir auch, aber es ist schließlich ein demokratischer Prozess. 

"Die Binnendemokratie der GEMA ist sehr lebhaft"

Backstage PRO: Können Sie diesen Prozess näher beschreiben?

Georg Oeller: Die Binnendemokratie der GEMA ist sehr lebhaft und sucht nach Mehrheiten, die manchmal aber nicht gefunden werden. Das ist vollkommen normal, aber die Stärke der GEMA ist es, dass sie sich selber wieder ausbalanciert, auch da haben wir uns immens weiterentwickelt. Die Mitglieder gehen heute um einiges professioneller mit Veränderungen um, auch wenn sie diese selber ablehnen, viel besser als vor 25 Jahren. 

Backstage PRO: Die GEMA ist an einem Teilprogramm von Neustart Kultur beteiligt. Wie kam es dazu und was ist die Aufgabe der GEMA?

Georg Oeller: Wir sind sehr stolz darauf, bei Neustart Kultur mitmachen zu dürfen. Wir haben eine gute Struktur, um Gelder zu verteilen und haben der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien, Professor Monika Grütters, sehr gerne unsere Hilfe angeboten. Das Programm, das wir unterstützen, heißt "Pandemiebedingte Investitionen in Kultureinrichtungen zur Erhaltung und Stärkung der bundesweit bedeutenden Kulturlandschaft". Es liegt ganz in unserem Interesse, dass die Kultureinrichtungen sich auf die Pandemie einstellen können und Wege finden, trotzdem Veranstaltungen stattfinden zu lassen. 

Backstage PRO: Wie funktioniert dieses Programm?

Georg Oeller: Seit dem 24. August kann man bei der GEMA die entsprechenden Anträge stellen. Im Rahmen des Programms stehen insgesamt 30 Mio. Euro zur Verfügung und es können zwischen 5.000 und 100.000 Euro pro Antrag ausgezahlt werden. Die Nachfrage ist sehr groß, die Hälfte der Summe wurde jetzt schon angefragt, das heißt, wir haben die Anträge zur Prüfung vorliegen und werden dann die Gelder verteilen können. Für die Abwicklung sind wir auch gut vorbereitet, wir haben viele Erfahrungen aus unserem eigenen Nothilfefonds gesammelt und konnten sehr schnell eine eigene Infrastruktur für die Vergabe der Fördergelder aufsetzen. Sollte die Politik noch mehr Bedarf haben, dann stehen wir gerne zur Verfügung. Wir sehen uns als Teil der öffentlichen Musikkultur und deshalb ist es für uns selbstverständlich, bei Neustart Kultur mitzumachen.

"Ich wünsche mir, dass Bund und Länder auch an die Kultur denken"

Backstage PRO: Wie beurteilen sie die politischen Maßnahmen zur Unterstützung der Kultur in der Coronakrise?

Georg Oeller: Ich finde es sehr gut und lobenswert, wie viel Hilfe und Unterstützung die Politik derzeit anbietet, aber ich hoffe, dass die Politik dieses Handeln verstetigt und auch ins nächste und übernächste Jahr verlängert. Auch wenn 2021 wieder 100.000 Konzerte stattfinden können, bleibt der wirtschaftliche Schaden und die wirtschaftliche Bedürftigkeit unserer Mitglieder und wird auch im nächsten Jahr noch groß sein. Ich wünsche mir, dass Bund und Länder auch 2021 und 2022 an die Kulturschaffenden denken, denn für die ist die Krise noch lange nicht vorbei. Selbst wenn wieder Veranstaltungen stattfinden können, dauert es noch bis 2023/24 bis wir zum Status Quo zurückkehren.

Backstage PRO: Herzlichen Dank für das Gespräch.

Georg Oeller absolvierte eine Ausbildung als Bankkaufmann und schloss danach ein Jurastudium ab. Seit 1995 arbeitet er für die GEMA, in deren Vorstand er 2009 berufen wurde. Zu seinen Aufgaben zählen die Lizenzierung im Bereich öffentliche Wiedergabe sowie alle Sparten der Verteilung - von der öffentlichen Wiedergabe bis zum Online-Bereich.

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