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Harmonielehre, Noten?! Darum ist es nicht schlimm, keine Ahnung von Musiktheorie zu haben

Tipps für Musiker und Bands von Konrad Ower
veröffentlicht am 29.05.2020

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Harmonielehre, Noten?! Darum ist es nicht schlimm, keine Ahnung von Musiktheorie zu haben

Darum ist es nicht schlimm, keine Ahnung von Musiktheorie zu haben. © Foto von Kacper Cybinski von Pexels

Es erscheint geradezu paradox, dass die musikalisch kreative Ausdrucksweise an so schnöde Normen wie Skalen, Harmonielehre etc. gebunden scheint. Nichtsdestotrotz ist der Vorteil dieses Wissens nicht von der Hand zu weisen, denn ohne dieses Regelwerk oder „Sprache“ könnten Musiker in vielen Szenarien nicht effektiv miteinander kommunizieren oder gar fremde Werke lesen und interpretieren. Aber geht's vielleicht dennoch ohne ein tiefgehendes Studium der Materie?

Mit der Kreativität ist es so eine Sache. Ihre vielfältigen Ausdrucksformen lassen sich oft nicht einordnen. Und warum einigen scheinbar alles zugeflogen kommt, während die anderen viel Schweiß sowie Mühen investieren müssen, wird wohl nie gänzlich aufgeklärt werden. Kreativer Ausdruck lässt sich aber besser leiten, wenn sie durch ein gewisses Regelwerk geleitet wird – womit wir bei dem Thema Musik wären.

Warum wissen wir um die Werke von Mozart, Beethoven und Co.? Weil sie niedergeschrieben, festgehalten und Jahrhunderte später analysiert, nachgespielt sowie interpretiert werden könnten. Man könnte daher das pauschale Urteil fällen, dass kreativer Ausdruck via Musik ein exklusiver Club ist, der nur denen offensteht wird, die eine entsprechende Ausbildung haben und Jahre Zeit hatten, abseits ihrer kreativen Ader, auch die schnöde Theorie wachsen und gedeihen zu lassen. Das mag für damals gelten, aber heutzutage vielleicht nicht mehr so ganz.

Wer jetzt schon entmutigt ist, weil dieser große Fundus an Wissen nicht vorhanden oder man erst später im Leben auf das Schreiben und Aufnehmen von Musik gestoßen ist und nun vor einer scheinbar unüberwindbaren Wand steht, dann bitte weiterlesen – es gibt Hoffnung!

Es geht ja hier schließlich darum, warum es nicht so schlimm ist, gewisse Wissenslücken zu haben, auch wenn es keine optimale Ausgangssituation ist.

Ihr befindet euch in bester Gesellschaft!

Was haben bspw. The Beatles, Hendrix, Clapton und sogar King Elvis höchstpersönlich abgesehen von ihren phänomenalen Erfolgen gemeinsam? Sie hatten wenig bis keine tiefen Kenntnisse von Musiktheorie! Und trotz diesem scheinbar massiven Nachteil erschufen sie Klassiker, die ohne Frage auch noch in Jahrzehnten oder gar Jahrhunderten musikgeschichtliche Relevanz genießen werden. Es ist also möglich, auch ohne dieses Wissen gute Musik zu schaffen, erfolgreich zu sein und ganz vielleicht auch Musikgeschichte zu schreiben – um mal ganz tief zu stapeln!

Nehmen wir die Beatles: Aus Liverpool stammend, wuchsen alle Mitglieder unter anderem mit Musik aus den USA auf und nahmen schließlich irgendwann selbst Instrumente in die Hand, um bekannte Stücke der damaligen Zeit nachzuspielen. Jahre später sollten diese Einflüsse auch in den Hits des Traumduos Lennon-McCartney zu finden sein.

Wer diese Künstler bzw. deren Erfolg jedoch als ausschließliche Begründung heranzieht, sich Musiktheorie völlig zu verschließen, dürfte aber auch auf dem falschen Pfad sein. Denn niemand von uns kann bestimmt erahnen, wie viele Stunden, Tage sowie Jahre vergingen, in denen sich die vorhin genannten Künstler ausgiebig mit ihren Instrumenten, Songs und dem allgemeinen Thema Musik beschäftigten.

Sie alle „studierten“ gewissermaßen dennoch Musik – nur auf eine andere Art und Weise!

Manche Aspekte der Musiktheorie kannst du „outsourcen“

Zunächst einmal sollte nochmals erwähnt werden, dass eine völlige Unkenntnis von musikalischen Grundlagen ein Hindernis ist. Das ist nicht von der Hand zu weisen. Darüber hinaus gilt, wer keinerlei „Veranlagung“, intuitives Gefühl für Tempo, Melodien und Harmonien hat, wird wenig haben, aus dem er oder sie schöpfen kann.

Die vorhin genannten Künstler hatten diese Intuition, die eine musiktheoretische Ausbildung vielleicht hätte ergänzt hätte – oder auch nicht, man wird es nie wissen! Wer allerdings bereits Songs, Lyrics und Instrumentenparts im Kopf hat und bspw. eine Studioproduktion mit Sessionmusikern umsetzen will, braucht theoretisch nur fähige Mitstreiter, die das zu Papier bringen bzw. wissen, wie eine Umsetzung realisiert werden kann. Gerade Sessionmusiker haben nicht die Zeit oder die Muße, sich von euch irgendwelche Chords oder Abläufe mehrerer Stücke in eurer eigenen „Musiksprache“ erklären zu lassen. Sie brauchen genaue Instruktionen oder zumindest einen Leitfaden.

Auf solche Hilfe angewiesen zu sein, ist überhaupt nicht schlimm. Getrennte Arbeitsschritte sind in der Musikproduktion gang und gäbe und daher ist es völlig legitim, davon Gebrauch zu machen.

Das Ergebnis steht über allem und wenn man ein paar Umwege gehen muss, damit eine gewisse Vision erfüllt werden kann, warum nicht?

Moderne Technik hat vieles erleichtert

Was früher ein ganzer Studiokomplex leisten konnte, können wir in der Regel heutzutage mehr oder weniger mühelos mit einem Mittelklasse-Laptop erledigen – ganz grob gesagt. Vor der Ära des Multitrackrecordings wurden Songs bekanntermaßen via Liveaufnahmen aufgenommen, bei denen alle MusikerInnen absolut fehlerfrei spielen mussten – und das unter wechselnden und chaotischen Situationen mit viel Druck.

Und heute? Kann jeder von uns dank Software fehlerhafte Parts ausbügeln oder gar vorhandenes Material auf Harmonien etc. analysieren, um zu wissen was man überhaupt vor sich hat.

Davon kann man halten was man will, denn nichtsdestotrotz sind auch heute Sessionmusiker bei aufwendigeren Produktionen gefragt. Es hat sich lediglich die Eintrittsschwelle etwas gesenkt, wodurch auch Autodidakten „amtliche“ Ergebnisse abliefern können. Tolle Technik kann jedoch zumeist nur vielversprechenden Ideen zur Entfaltung verhelfen – wahre Wunder kann sie jedoch nicht vollbringen.

Daher sind gewisse Wissenslücken hinderlich, aber können über Umwege zum Teil kompensiert werden.

Dem Hörer ist es letztendlich egal

Dieser Punkt wird definitiv vielen sauer aufstoßen, denn was gibt es schlimmeres als lauter Dilettanten, die im selbst mühsam erlernten Beruf herumwerkeln? Musik ist schließlich zum gleichen Anteil auch Berufung und unterliegt daher emotionalen Kriterien. Daher wird oft Autodidakten vorgeworfen, sie würden den Weg des geringsten Widerstands gehen, Abkürzungen nehmen oder schummeln… die Liste könnte an dieser Stelle endlos weitergehen.

Oberflächlich gesehen, könnte man dem zum Teil zustimmen, doch bei näherer Betrachtung kommt einem der Vergleich mit den lieben Äpfeln und Birnen in den Sinn. Wie vorhin angesprochen, bedeutet eine Zuhilfenahme von technischen Hilfsmitteln nicht, dass daraus auf wundersame Art und Weise Kreativität entspringt. Deine Ideen, Songs und Einfälle – sie waren nicht selten schon da und mussten einfach nur raus.

Dass man die eigenen Stücke nicht im stillen Kämmerchen zunächst auf Papier festhalten muss, bevor auch nur ein Ton aufgenommen wird, hat ziemliche Vorteile. Warum nicht zur DAW der Wahl greifen und sich alles vorerst zusammenklicken oder mit Midicontroller sowie MPC kurz festhalten? Wir haben die Werkzeuge nun einmal da – das Wichtigste ist es, sie zu nutzen!

Du hast deine eigene Nische gefunden und fühlst dich darin pudelwohl

Ganz ehrlich, bloß weil wir heutzutage alle Möglichkeiten zur Verfügung haben, bedeutet nicht, dass wir diese auch alle ausreizen müssen. Warum muss man also alles können? Ehe man sich mit eigentlich nützlichen, aber für den eigenen Zweck nicht ganz so praktikablen theoretischen Kenntnissen beschäftigt, die man voraussichtlich nie brauchen wird, macht es vermutlich noch eher Sinn, die eigene erprobte Kreativität an die Arbeit gehen zu lassen und einfach mal greifbare Ergebnisse in Form von Songs fertigzustellen.

Vielleicht habt ihr bereits einen Pfad gefunden, der andere Wege geht und das abseits von konventioneller Theorie. Sollte das der Fall sein, dann gehe bitte diesen Weg weiter! Vielleicht führt er dich zurück zur Theorie, aber vielleicht auch nicht.

Denn das wollen doch alle Kreativschaffende; einen eigenen Weg gehen, der im Idealfall einen Aspekt aufweist, der bei anderen nicht zu finden ist – das gewisse Etwas, sozusagen!

Fazit

An dieser Stelle stellt sich bestimmt so mancher glatt die Frage: Warum sollte man sich dann überhaupt die Mühe machen und den ganzen theoretischen Kram lernen, wenn es auch so geht? Beispiele, die dafür sprechen, hatten wir ja einige. Es ist gleichzeitig aber auch nicht unwahrscheinlich, dass dein eigener Weg nicht immer leicht sein wird und du an einigen Stellen auf wissensbedingte Limitierungen stoßen und über sie fluchen wirst. Dann hast du entweder immer noch die Möglichkeit, dir in manchen Bereichen Wissen anzueignen oder holst dir einfach externen Rat und Tat.

Denn Musik profitiert oft von einem kollaborativen Prozess und diese führen oftmals zu interessanteren Ergebnissen!

Musiktheorie? Wovon sprichst du da eigentlich die ganze Zeit?

Falls du dich dies gerade fragen solltest: Es gibt zwei seit längerem ein kursierendes (leider englischsprachiges) Video im Netz, das die wesentlichen Grundlagen zur Thematik in aller Kürze zusammenfasst.

Andrew Huang: "Learn music theory in half an hour."

Viel Spaß damit!

Und falls du mehr lernen willst: Auf Youtube gibt es natürlich auch viele Tutorials auf Deutsch, Musik- und Instrumentallehrer freuen sich, wenn du Stunden bei ihnen nimmst und Bücher zum Thema reichen mindestens einmal um die Welt. Tipp dazu: Schau doch mal, was die Musikbibliothek in deiner Stadt an Materialien anbietet.

Wie hältst du es mit deinen musiktheoretischen Kenntnissen? Notierst du deine Songs?

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