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Irritierte Selbstwahrnehmung

Eigen- vs. Fremdbild als Musiker und Künstler: Kritik verstehen, mit Kritik umgehen

Tipps für Musiker und Bands von Carina Reitz
veröffentlicht am 04.09.2020

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Eigen- vs. Fremdbild als Musiker und Künstler: Kritik verstehen, mit Kritik umgehen

Wie siehst du dich selbst, wie sehen dich andere?. © Roy Reyna / Pexels

Niemand wird gerne kritisiert. Vermeiden kann man es leider nicht immer – vor allem, wenn man sich selbst, seine Arbeit und oder sein Privatleben einem mehr oder weniger großen Publikum preisgibt. Warum Kritik irritiert, wie du dennoch gelassen reagierst und einen Nutzen daraus ziehst, das beleuchten wir in diesem Artikel.

Als Musiker siehst du dich immer wieder mit Kritik konfrontiert und zwar aus unterschiedlichen Richtungen: Kritik von Fans, dem Business, den Medien – aber auch von Freunden, der Familie und den eigenen Bandmitgliedern. Wir können uns leider nicht aussuchen, ob und von wem wir kritisiert werden.

Manchmal trifft uns Kritik ganz unvermittelt und unvorbereitet. Und leider ist sie auch nicht immer „nett“ verpackt, also sachlich und wertschätzend. Nein, ab und an trifft sie uns unterhalb der Gürtellinie. Oder wir bekommen sie einfach in den falschen Hals, obwohl die Kritik vielleicht ganz anders gemeint war.

Aber wieso ist das so?

Kritik ist eine Form der Kommunikation. Sie passiert zwischen (mindestens) einem Kritikgeber und (mindestens) einem Kritiknehmer. Dabei spielen mehrere Faktoren eine Rolle:

  • Was sagt der Kritiker?
  • Was meint er damit?
  • Wie nimmt der Empfänger die Kritik wahr?

Selbst- und Fremdeinschätzung spielen hier also eine wichtige Rolle. Je näher diese beieinander liegen, umso wahrscheinlicher ist es, dass wir Kritik auch annehmen.

In allen anderen Fällen fällt uns das ungleich schwerer. Trotzdem lohnt es sich, mit Kritik gelassen umzugehen, denn

  1. kannst du dich Kritik nicht immer entziehen. Erst recht nicht, wenn du als Person und mit dem, was du machst, in der Öffentlichkeit stehst.
  2. kann eine unüberlegte Reaktion oft unangemessen und imageschädigend sein.
  3. ist es einfacher, an der eigenen Einstellung zu arbeiten als zu versuchen, den Kritiker zu ändern.

Wenn du zukünftig souveräner auf Kritik reagieren und für dich selbst gelassener damit umgehen willst, solltest du die folgenden Punkte beherzigen:

1. Ruhe bewahren

Wenn wir kritisiert werden, löst das bei uns oft unmittelbar eine Abwehrreaktion aus. Lernst du stattdessen, ruhig und besonnen auf Kritik zu reagieren und nicht direkt zum Gegenschlag auszuholen, ist das nicht nur für dein eigenes Innenleben von Vorteil. Du nimmst dem Gegenüber auch von Anfang an den Wind aus den Segeln und schaffst so eine Basis für ein konstruktives Gespräch.

2. Offen sein

Wenn jemand Kritik an dir, deinem Auftreten oder deiner Musik äußert, dann ist das erst einmal nichts anderes als dessen subjektive Meinung. Und dennoch kann es sich für dich lohnen, diese ernst zu nehmen. Denn egal, wer dich kritisiert – ein Fan, die Plattenfirma, deine Eltern oder ein Mitglied deiner Band – er oder sie tut dies immer aus einer anderen Perspektive heraus.

Wenn du versuchst, dich in den jeweils anderen Blickwinkel hineinzudenken, kannst du die geäußerte Kritik vielleicht eher verstehen.

3. Nachfragen

Wenn du die Kritik des anderen nicht nachvollziehen kannst, frag nach, was genau er damit meint und vor allem, wie er es an deiner Stelle besser machen würde bzw. was er von dir erwartet. Je mehr Informationen du hast, umso leichter fällt es dir, die Kritik für dich einzuordnen.

4. Abwägen

Letztendlich entscheidest du allein, wie du mit entgegengebrachter Kritik umgehst. Ist sie in deinen Augen gerechtfertigt, kannst du sie annehmen und umsetzen. Wenn nicht, mach einen Haken dran und fertig.

5. Nicht rechtfertigen

Tu.Es.Nicht. Kritik muss nicht kommentiert werden.

Es ist dein gutes Recht, nichts dazu zu sagen. Andernfalls gerätst du leicht in eine Rechtfertigungsschleife, aus der du so schnell nicht mehr rauskommst. Du bist nicht angeklagt und musst nicht deine Unschuld beweisen. Beherzige an dieser Stelle lieber Punkt 4 – und schweige.

6. Danke sagen

Auch wenn es komisch klingen mag: bedanke dich für die entgegengebrachte Kritik. Damit drückst du einerseits Wertschätzung für dein Gegenüber aus. Außerdem bedeutet es auch, dass du und/oder deine Musik dem Kritiker nicht egal sind (die notorischen Nörgler lassen wir an dieser Stelle mal außen vor).

Wenn du diese Tipps beherzigst, wird es dir zukünftig leichter fallen, mit Kritik – und den Kritikern selbst – souveräner umzugehen. Vielleicht entdeckst du darin auch zunehmend die Chance, dich persönlich und musikalisch weiterzuentwickeln. Denn eigentlich ist Kritik erst einmal gar nichts schlechtes. Ganz im Gegenteil tust du sogar gut daran, dir ab und zu auch aktiv Feedback einzufordern. Das fördert deine Fähigkeit zum Perspektivenwechsel und schärft deinen Blick für das Zusammenspiel von Eigen- und Fremdbild. Es schafft Sicherheit und ist gut fürs Selbstbewusstsein.

Wenn’s doch mal persönlich wird

Gehen wir abschließend noch auf Kritik ein, die bewusst unter die Gürtellinie gerichtet ist. Leider gibt es immer wieder auch Artgenossen, die dich tatsächlich persönlich treffen wollen, selbst dann, wenn sie „nur“ deine Musik sch…. finden. Das ist eben auch das Besondere bei Musikern, bei Künstlern allgemein: Du bist mit dem, was du tust, persönlich stark verbunden und dadurch auch leichter zu verletzen.

Trotzdem gilt auch bei destruktiver Kritik: gelassen bleiben und ggf. zügig aus der Situation verschwinden. Mach deinem Gegenüber ruhig klar, dass dir das an dieser Stelle zu weit geht. Ist er daraufhin nicht bereit, sich auf eine sachlichere Kommunikationsebene zu begeben, beende das Gespräch und geh. Schau auch hier noch nach weiteren Tipps.

Fazit

Konstruktive Kritik kann dich dabei unterstützen, dein Potenzial immer mehr zu entfalten. Die Entscheidung darüber, wie du mit Kritik umgehst, liegt letztendlich ganz allein bei dir selbst. Berichte gerne zu deinen Erfahrungen im Umgang mit Kritik in den Kommentaren!

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