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Ein Tropfen auf den heißen Stein?

Coronahilfen haben finanzielle Verluste im Kulturbereiches nur ansatzweise kompensiert

News von Backstage PRO
veröffentlicht am 10.06.2021

coronakrise deutscher kulturrat

Coronahilfen haben finanzielle Verluste im Kulturbereiches nur ansatzweise kompensiert

© Anastasiia Chepinska via Unsplash

Der wissenschaftliche Dienst des Deutschen Bundestages kommt in einem neuen Bericht zu dem Schluss, dass die Coronahilfen von Bund und Ländern die finanziellen Verluste des Kulturbereichs nur ansatzweise kompensieren konnten.

Ziel des Berichts "Auswirkungen der Maßnahmen zur Bekämpfung der COVID-19-Pandemie auf das kulturelle Leben in Deutschland“ war es, ein genaues Bild über die Entwicklung des Kultur- und Kreativsektors in den Jahren 2020 und 2021 zu zeichnen.

Das nun veröffentlichte Ergebnis des wissenschaftlichen Diensts des Bundestages verdeutlicht dabei die unverändert prekäre Lage des von der Pandemie mit am schwesten getroffenen Kultur- und Kreativsektors.

Berufsfelder in Gefahr

Laut der Erhebung des wissenschaftlichen Diensts konnten die vielfältigen Förder- und Hilfsprogramme von Bund und Ländern die finanziellen Verluste, die durch die Maßnahmen zur Bekämpfung der Pandemie entstanden sind, nur ansatzweise kompensieren.

Diese Maßnahmen hatten sich besonders stark auf die Kultur- und Kreativwirtschaft und die über 1,8 Millionen Beschäftigten in diesem Bereich ausgewirkt.

Der wissenschaftliche Dienst stellt fest, dass viele Freiberufler und Selbstständige bereits vor der Pandemie am Rande des Existenzminimums lebten. Die Schließung von kulturellen Einrichtungen und das Verbot von Veranstaltungen haben diese finanziell sowieso angespannte Situation noch einmal zusätzlich verschärft.

Dabei rückt der wissenschaftliche Dienst insbesondere die Gefahr der Pandemie für die Existenz dieser Beschäftigungsgruppen in den Vordergrund. So zeichne sich derzeit unter Solo-Selbstständigen und Freiberuflern eine starke Tendenz der Abwanderung in vermeintlich sicherere Berufsfelder ab. Unter Angestellten sei diese Tendenz nicht zu erkennen, was insbesondere auf das Kurzarbeitergeld zurückzuführen sei. 

Erschreckende Verluste

Der Bericht stellt darüber hinaus fest, dass die Umsätze der deutschen Kultur- und Kreativwirtschaft 2020 um rund 22,4 Milliarden Euro zurückgegangen sind. Auffällig ist, dass die Kulturwirtschaft mit einem Minus von 19 Prozent gut drei Mal so stark betroffen ist wie die Kreativwirtschaft mit Einbußen in Höhe von sechs Prozent. 

Besonders stark von den wirtschaftlichen Folgen der Pandemie betroffen seien der Markt für Darstellende Künste mit einem Umsatzverlust von 85 Prozent, die Musikwirtschaft mit einem Umsatzverlust von 54 Prozent, der Kunstmarkt mit einem Umsatzverlust von 51 Prozent und die Filmwirtschaft mit einem Umsatzverlust von 48 Prozent.

Wann kommt die Unterstützung?

In Anbetracht der Erhebung des wissenschaftlichen Dienstes fordert fordert der Geschäftsführer des Deutschen Kulturrates, Olaf Zimmermann, trotz der berechtigten Anerkennung für Hilfsprogramme wie beispielsweise das von der Bundesregierung initiierte "Neustart Kultur" Bund und Ländern auf, "den Kulturbereich deutlich mehr bei der Überwindung der Krise zu unterstützen“.

Darüber hinaus betont er, das vor allem die freiberuflich arbeitenden Künstler "unter den Auswirkungen der staatlich verordneten Einschränkungen“ zu leiden haben und Perspektiven benötigen. 

Zum kompletten Sachstandsbericht geht es hier (PDF).

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